Dienstag, 10. März 2015
Teures Petersberg (b. Halle)!
Rund um den Petersberg in Petersberg in der Einheitsgemeinde Petersberg nördlich von Halle ist der Frühling angebrochen. Zu bemerken ist dies nicht unbedingt an den Frühblühern und auch die Fauna im örtlichen Tierpark verhält sich nicht auffälliger als sonst.
Nein, der Frühling in Petersberg bricht an, wenn - anders als noch vor einigen Wochen - jemand auf dem Parkplatz steht und Geld haben will für - ja, wofür denn eigentlich? Denn aufgepasst auf das Auto wird nicht, nur kassiert.
Und oben auf dem Berg, am Bismarck-Turm, hat die alte Holzhütte wieder auf, die den ganzen Winter über verschlossen war. Da sitzt jetzt auch jemand und macht erst die Hand und dann den Turm auf: 1,90 Euro hier und 1,50 Euro da, letzteres pro Person.
Wer da die Hand aufhält, erfährt der Besucher übrigens nur auf Nachfrage, aus dem missmutigen Gesicht der Hüttenwirtin und aus dem Parkzettel geht es nicht hervor: ein Förderverein, der Petersberg aufhübschen will. Und der scheint gerade aus dem Winterschlaf erwacht zu sein.
Ach, war der Winter schön (preiswert)!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 9. März 2015
Wer wandert durch den Saalkreis?
Zum 150. Geburtstag des Heimatforschers Siegmar Baron von Schultze-Galléra

In seiner Geburtsstadt Magdeburg ist Siegmar Baron von Schultze-Galléra nahezu vollkommen unbekannt. In seiner Wahlheimat Halle hingegen wird er nach wie vor als bedeutendster Heimatforscher der Saalestadt gefeiert: Ein Straßenzug und eine Gedenkplatte im Stadtteil Nietleben, in dem der Universitätsdozent lange Jahrzehnte lebte, erinnern an den Verfasser von zahlreichen Standardwerken zur Regionalgeschichte wie etwa den fünfbändigen „Wanderungen durch den Saalkreis“.
Daneben ist Schultze-Galléra auch 70 Jahre nach seinem Tod und weit über die Grenzen von Halle und des Saalekreises hinaus in einschlägigen Fachkreisen äußerst populär geblieben, allerdings nicht als Heimatforscher: Seine Abhandlungen über die Volkserotik und „Fuß- und Schuherotik“ erlebten nicht nur zu Lebzeiten ihres Verfassers mehrfache Auflagen, auch in jüngerer Zeit wurden sie immer wieder nachgedruckt.
Nicht nur das Werk, auch das Leben Schultze-Galléras ist voller Widersprüche und unerwarteter Wendungen. Am 6. Januar 1865 als Sohn eines Kommunalbeamten in Magdeburg geboren, besuchte er das hiesige Gymnasium Zum Kloster Unser Lieben Frauen, bevor er im Jahr 1884 in Halle das Studium der Germanistik und Geschichte aufnahm. Seine ursprüngliche Absicht, sich zum Oberlehrer ausbilden zu lassen, gab er nach ersten Stunden am Stadtgymnasium zugunsten einer akademischen Laufbahn auf. Diese kam jedoch zu seinem Leidwesen über eine Anstellung als Privatdozent 1892 nicht hinaus. Anerkennung suchte er zunächst vergeblich mit Forschungen zum jungen Goethe, als Dichter und indem sich der sonst so spartanisch lebende Mann 1905 von einem Baron adoptieren ließ.
Nach derartigen Fehlschlägen wandte sich Schultze-Galléra seiner eigentlichen Neigung, der Regionalgeschichte, zu. Bevorzugt zu Fuß flanierte er durch Halle und durchstreifte den Saalkreis, wobei er in Archiven ebenso recherchierte wie er auch das Gespräch mit den Ortsansässigen suchte. Mit dieser nicht immer in der Sache richtigen, doch äußerst unterhaltsamen Mischung aus verbürgter Information und Kolportage eroberte sich Schultze-Galléra schnell eine große Leserschaft. Preiswerte Heftausgaben und der Abdruck von Beiträgen in den „Hallischen Nachrichten“ beförderten die Popularität des einsamen Wanderers, dessen Umtriebigkeit und spartanischer Lebensstil schon zu Lebzeiten legendär wurden.
Schultze-Galléra arbeitete äußerst vielfältig: So schrieb er nicht nur (in zwei umfangreichen Bänden) über die große „Geschichte der Stadt Halle“, sondern sammelte auch regionale Sagen, beschrieb Burgen und Adelsgeschlechter, erläuterte alte Traditionen und verbreitete Anekdoten aus dem historischen Nachtleben der Stadt. Bei all dem verstand er sich als einer strengen Selbstdisziplin verpflichtet: „Ich bin der Erbe tüchtiger Männer und mannigfacher Generationen, deren Leben, Aufzeichnungen, Briefe – Jahrhunderte alt – in den Mußestunden mich anspornen, ermahnen und Rechenschaft von mir fordern.“
Während sich Schultze-Galléra, verheiratet mit einer Jüdin, nicht mit dem NS-Regime arrangieren wollte und sich 1933 in den Ruhestand zurückzog, verschrieb sich sein Sohn Karl Siegmar von Galléra ganz der neuen Ideologie. Besonders seine neunbändige „Geschichte unserer Zeit“, sein Abriss „Adolf Hitlers Weg zur Macht“ und der „Deutsche Reichsspiegel“ etablierten ihn als Bestseller-Autor des ‚Dritten Reichs‘.
Schultze-Galléra hingegen blieb auf die Geschichte Halles konzentriert. Als letzte große Veröffentlichung erschien 1944 der Band „Alte Giebichensteiner Vergnügungsgärten“, im Folgejahr verstarb der bereits schwer erkrankte Heimatautor am 15. September im Alter von 80 Jahren.

... link (0 Kommentare)   ... comment